
Ich möchte Euch hier die sog. "3-Daumen-Regel" von Andrè Stagge vorstellen. Dieser war 11 Jahre als Fondsmanager tätig und verwaltete in dieser Positon ca. 2,5 Mrd. Euro. Dagegen nehmen sich die von mir ehemals verwalteten ca. 65 Mio. Euro ziemlich gering aus. Grund genug für mich mal genauer in Stagge's Maschinenraum einen Blick zu werfen. Man kann nach meinem Dafürhalten insgesamt viel von ihm lernen.
Heute wollen wir uns jedoch mit einem ganz konkreten Instrument von ihm auseinandersetzen. Dieses scheint auch für ihn nach wie vor zur jeweiligen Markteinschätzung äußerst wichtig zu sein.
So könnt ihr die 3-Daumen-Regel auf auf Anleihen, Gold, Aktienindices (S&P 500, Nasdaq100, Dow Jones, Emerging Markets usw.) anwenden. Auch auf Kryptowährungen wie Bitcoin könnt ihr sie anwenden. (Nicht ganz so optimal ist die 3-Daumen-Regel wohl für Währungen geeignet, da diese oszillieren).
Die 3-Daumen-Regel setzt sich aus 3 Komponenten zusammen:
5-Tage-Indikator:
Begründung Andre Stagge zu 5 Tage Indikator (Stand 3/21) Zitat nachfolgend:
"Aber mit dieser einfachen Idee, kannst du mit sehr wenig Aufwand, einmal nur gucken nach den ersten 5 Handelstagen, wo der Markt steht - im Plus oder im Minus. Dein Geld eben deutlich vor Verlusten schützen, das zumindest haben die letzten 80 Jahre an der Börse gezeigt".
Warum das funktioniert?
Stagge weiter: "Und das hängt genau mit dem „großen Geld“ zusammen. Wenn eben diese Investmentpläne, wie sie von großen Fondsgesellschaften, von entsprechenden Banken ... von Fonds von Staaten umgesetzt werden, ist es meistens so, dass sie zum Jahresanfang investieren.
Und wenn sie eben prozyklisch im Plus sind, mehr investieren. Das war bei mir in der Fondsgesellschaft auch so. Immer, wenn der Markt im Plus war, durfte ich mehr investieren, ich hatte mehr Risikobudget. Konnte damit also eine Marktbewegung weiter steigen lassen. Und das heißt, an der Börse auch so schön die Hausse nährt die Hausse. Also wenn die Kurse steigen, steigen sie eher weiter."
"Und weil der Jahresanfang und das Jahresende (YTD-Linie) dieser wichtige Punkt sind, wo der Bonus von Fondsmanagern zum Beispiel auch entsprechend gesetzt wird. Und wo dann natürlich auch die Anleger immer auf das neue Jahr und die neue Rendite gucken, ist eben dieser Jahresstart viel wichtiger, als jetzt die Bewegung vom 13. Juni bis zum 20. Juni oder so. Sondern der Jahresstart ist hier entscheidend.
Und gibt dir eben ein ganz klares Signal, wie das "große Geld" denkt, handelt und anlegt. Wenn das große Geld eben kauft - das hat man dieses Jahr [Anm. des Autors: 2021 aber auch 2023] auch sehr schön gesehen - sind die Märkte eher positiv für das ganze Jahr. Und wenn das Jahr schon schlecht beginnt [Anm. des Autors das war z.B. 2022 der Fall], was vielleicht eben auch ein klares Signal sein kann, dann würde ich eben eher vorsichtiger sein mit der Anlage."
YTD-Linie
(Year-To-Date, gerne auch mit den drei Buchstaben YTD abgekürzt, sagt aus, wie die bisherige Entwicklung im aktuellen Börsenjahr in % aussieht. Gemessen wird also immer vom Schlussstand des Vorjahres bis zum aktuell gültigen Stand.)
Die sogenannte Year-to-Date-Linie markiert folglich den Vorjahresschlussstand, z. B. des S&P500. Aus André Stagges obigen Ausführungen ergibt sich wie wichtig diese YTD-Linie ist. So ist wichtig, dass diese nicht nur am Ende des fünften Handelstages überwunden wurde, sondern auch danach unterjährig der aktuelle Kurs über dem Schlusskurs des Vorjahres bleibt. Dafür gibt es einen weiteren Daumen nach oben.
200-Tage-Linie
Auch soll der Kurs sich immer über der 200-Tage-Linie befinden. Die 200-Tage-Linie wird von so vielen Marktteilnehmern (Profis wie Privatanlegern) beobachtet, dass sie psychologisch eine extrem wichtige Bedeutung hat. Ein Unterschreiten dieser Linie führt häufig zu massivem Verkaufsdruck im Markt.
Die drei Daumen Regel kombiniert so quasi drei statistische Vorteile miteinander.
Kommentar hinzufügen
Kommentare