Prognosekraft der drei Daumenregel aufs Gesamtjahr für einzelne Assets und für Indices
Dieser Artikel baut auf folgendem Blogartikel auf: Der Tag danach ... Drei-Daumen-Regel am 6ten Börsen-Handelstag 2025
Mittels Aktien Guide habe ich am 31.12.2025 mit YTD die Jahresperformance überprüft. Hierbei legt aktien.guide die ursprüngliche Währung der Aktie, also z.B. Dollar zugrunde.
https://aktien.guide/aktien/Costco-Wholesale-US22160K1051
Nachdem die Aufzeichnungen im Jahr 2024 keinen wirklich gänzlich überzeugenden Mehrwert brachten, wollte ich mich dieses Jahr 2025 besonders auf die Extreme konzentrieren (drei Daumen nach oben und das nicht nur knapp, sondern deutlich ebenso wie drei Daumen nach unten auch deutlich ausgeprägt)
[Gerade die "Drei Daumen nach oben"-Werte hatten sich bis auf eine Ausnahme im Börsenjahr 2024 überdurchschnittlich gut entwickelt.]
Am Ende des Jahres 2025 sollte man dann sehen, ob die Drei-Daumen-Regel uns eine sinnvolle Prognose ermöglicht hat oder nicht.
Und diese Zeitpunkt ist nun gekommen, nachfolgend der Auszug meines Blogartikels, der Anfang 2025 die drei Daumen nach oben und drei Daumen nach unten wird ermittelt hat:
(Diese habe ich mit der erfolgten Wertentwicklung im Gesamtjahr 2025 ergänzt).
Am heftigsten (also eindeutig drei Daumen nach unten👎👎👎) traf es:
EM Emerging Markets +16%
Alibaba +76%
Tencent +44%
[MDAX hatte auch drei Daumen nach unten, allerdings nur sehr knapp] +19%
Eindeutig drei Daumen nach oben 👍👍👍 nach der Drei-Daumen-Regel sind am 6ten Handelstag 2025:
DAX +23%
Costco Wholesale -5,89%
Gold +66% (auf US-Dollar Basis)
Silber +163% (auf US-Dollar Basis)
XRP Ripple -20%
US Oil WTI Rohöl -15%
[BTC Bitcoin hatte auch drei Daumen nach oben, aber nur sehr knapp] -8%
Das bittere Fazit:
Abschließend bleibt das Fazit, dass es nicht möglich ist, mit der 3DR für einzelne Asset-Klassen eine Jahresprognose aufzustellen, indem man einfach am Jahresanfang am 6. Handelstag einmal drauf schaut.
Besonders auffällig: Die Assets, die Anfang Januar "drei Daumen nach unten" erhielten (wie Alibaba mit +76 % oder Tencent mit +44 %), gehörten am Ende zu den großen Gewinnern. Umgekehrt verloren die "Drei-Daumen-Favoriten" wie XRP (-20,1 %) oder Costco massiv an Boden.
Was lernen wir daraus?
1.Kurzzeit-Momentum ist kein Jahres-Schicksal: Die ersten sechs Tage eines Jahres spiegeln oft nur kurzfristige Positionierungen wider, aber keine fundamentalen Jahrestrends.
2. Die monatliche Anwendung ist Pflicht: Wie André Stagge betont, ist die Regel ein dynamisches Werkzeug. Die einmalige "Set-and-Forget"-Anwendung im Januar funktioniert für Einzelassets nicht.
3. Experiment beendet: Da die Prognosekraft in diesem Jahr sogar kontraindizierend war (die schlechtesten Werte im Januar wurden die besten im Dezember), werde ich dieses Modell für Einzelwerte in den Folgejahren nicht mehr verfolgen.
Weitergehende Überlegung:
Während die Drei-Daumen-Regel bei Einzelwerten (wie mein Experiment gezeigt hat) oft durch unternehmensspezifische News oder extreme Gegenbewegungen ausgehebelt wird, sieht es beim Gesamtmarkt (große Indizes wie S&P 500 oder MSCI World) oft anders aus.
Es gibt in der Statistik den sogenannten "January Indicator" ("As goes January, so goes the year") als auch den sogenannten 5-Tage-Indikator. Auf den Gesamtmarkt bezogen haben diese statistisch eine deutlich höhere Trefferquote als bei Einzelaktien.
Hier ist die Analyse, warum es auf den Gesamtmarkt funktionieren kann – und wo die Grenzen liegen:
1. Warum es beim Gesamtmarkt eher funktioniert
* Glättung von Extremen: Ein Index wie der S&P 500 gleitet nicht wegen einer schlechten Nachricht bei eines einzelnen Unternehmens ins Minus. Wenn der Gesamtmarkt nach 6 Tagen im Plus steht, deutet das auf große institutionelle Zuflüsse hin (Fonds und Versicherer schichten ihr Kapital für das neue Jahr um).
* Psychologie der Massen: Der Gesamtmarkt bildet das "Sentiment" ab. Ein positiver Start erzeugt oft ein Momentum, das Kleinanleger nachzieht ("FOMO" – Fear of missing out), was den Trend über Monate stabilisieren kann.
* Wirtschaftsdaten: Der Gesamtmarkt reagiert auf Zinsen und Inflation. Wenn diese Faktoren Anfang Januar positiv eingepreist werden, trägt dieser Rückenwind oft das gesamte erste Halbjahr.
2. Die Statistik (Beispiel S&P 500)
Historische Daten zeigen: Wenn der S&P 500 in den ersten 5 Handelstagen im Januar im Plus liegt, endet das Jahr in ca. 80 % der Fälle positiv.
* Aber: Die Prognosekraft bezieht sich hier nur auf die Richtung (Plus oder Minus), nicht auf die exakte Höhe der Rendite.
3. Warum Einzelwerte (wie in meinem Test) scheitern
Einzelwerte wie Alibaba oder XRP sind viel zu volatil für eine 5-Tage-Prognose:
* Rebound-Effekt: Ein Asset, das im Vorjahr extrem verprügelt wurde, startet oft schwach ins neue Jahr (Tax-Loss-Selling), nur um dann eine massive Erholung (Mean Reversion) zu starten. Das erklärt evtl. das Ergebnis bei Alibaba (+76 % trotz 👎👎👎).
* Hype-Zyklen: XRP oder Krypto-Werte können nach 5 Tagen "überkauft" sein. Was im Januar wie Stärke aussieht, ist oft nur das Ende einer kurzfristigen Blase.
Mein abschließendes Fazit für die 3DR
Wenn du die Drei-Daumen-Regel nicht ganz beerdigen willst, wäre eine fokussierte Anwendung denkbar:
* Nur auf breite Indizes: Wende die Regel nur auf den S&P 500, den MSCI World an. Hier ist das Rauschen geringer und die Tendenz der großen Kapitalströme besser lesbar.
* Als Stimmungsbarometer, nicht als Gesetz: Nutze den 6. Handelstag beim Gesamtmarkt als Indikator dafür, ob du im laufenden Jahr eher "aggressiv" oder "defensiv" investiert sein möchtest.
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