Bitcoin & Krypto - Willkommen im Aktienmarkt 2.0

Irgendwie hält er sich überhaupt nicht mehr an das Drehbuch ...

Der Kryptomarkt hat sich leise, aber grundlegend verändert. Was einst ein Spielfeld für Kleinanleger mit hohem Risikoappetit war, entwickelt sich zunehmend - ob es uns gefällt oder nicht - zu einem institutionellen Anlageuniversum ... dem „Aktienmarkt 2.0“.  

 

Vom Hype-Markt zur Kapitalmaschine  

Bitcoin war lange das Symbol für Rebellion gegen die klassische Finanzwelt. Heute ist er ihr Teil geworden. Hinter den täglichen Kursbewegungen stehen keine Telegram-Gruppen und Memes mehr, sondern Zuflüsse in Milliardenhöhe über ETFs und institutionelle Vehikel.  

 

Anfang Oktober flossen laut 10x Research fast 6 Milliarden US-Dollar in Bitcoin-ETFs. Der BlackRock IBIT verzeichnete zeitweise Rekordvolumina nahe einer Milliarde US-Dollar pro Tag. Private Anleger dagegen treten zunehmend ab. Psychologisch wirkt Bitcoin bei Kursen über 100.000 US-Dollar unerschwinglich. Wer nur wenige Satoshis pro Kauf erhält, verliert das Gefühl des „Besitzens“ und zieht sich zurück.  

 

Die Liquidität bestimmt den Takt  

Der klassische 4‑Jahres‑Zyklus, einst das Rückgrat vieler Bitcoin‑Strategien, hat seine Signalwirkung weitgehend verloren. Preisentwicklungen hängen heute stärker von globalen Liquiditätsbedingungen und Zentralbankpolitik ab als vom Halving.  

Arthur Hayes und 10x Research sehen in expansiver Geldpolitik künftig den Haupttreiber der Krypto‑Rallyes. Das ist ein Paradigmenwechsel:

 

Die These, dass der klassische 4-Jahres-Rhythmus (gesteuert durch das Halving) an Kraft verliert, ist sehr schlüssig.

Das Ende des 4-Jahres-Zyklus ist aus meiner Sicht besonders aus zwei Gründen plausibel:

1) Institutionelle Reife: Durch die Bitcoin-ETFs und den Einzug großer Vermögensverwalter (Bitwise, VanEck) wird Bitcoin stärker mit dem klassischen Finanzmarkt korreliert. Institutionen handeln nicht nach "Mondphasen" oder Halvings, sondern nach Liquidität und makroökonomischen Daten.

2) Effiziente Märkte: Je bekannter ein Muster (wie der 4-Jahres-Zyklus) ist, desto eher wird es vom Markt "eingepreist" oder durch Antizipation zerstört. (Das kennen wir vom Aktienmarkt schon lange, am Kryptomarkt muss man sich jetzt auch an diese ungenehme Wahrheit gewöhnen.)

Nicht mehr das algorithmische Angebot bestimmt den Preis, sondern primär die globale Geldmenge – genau wie an den Aktienmärkten.  

 

 

Modelle verlieren, Makrofaktoren gewinnen  

Das lange verehrte Stock‑to‑Flow‑Modell hat seine Prognosekraft eingebüßt. Ich hatte dies bei meinem allerersten Blogartikel über Bitcoin auch prominent dargestellt: Bitcoin & Co.

Der reale Verlauf hinkt seit Jahren den Modellwerten hinterher. Selbst Ethereum‑Gründer Vitalik Buterin nennt es irreführend, weil es Marktpsychologie und makroökonomische Faktoren ausblendet.  

 

Neue Bewertungsansätze beziehen Kapitalströme, ETF‑Zuflüsse und geldpolitische Zyklen ein. Damit nähert sich der Kryptomarkt in seiner Funktionsweise immer stärker traditionellen Finanzmärkten an.  

Erst kürzlich schrieb ich in einem Blogartikel, dass mich der Bitcoin zunehmend an eine träge Blue Chip Aktie erinnere. Hierzu fand ich Zahlenmaterial, dass mein Gefühl eindrucksvoll untermauert. Die durchschnittliche Volatilität fiel in den vergangenen Jahren von über 275% auf aktuell etwas über 50%.

 

 

Fazit: Das neue Gesicht des Kryptomarkts  

Der Krypto‑Sektor ist erwachsen geworden. Institutionelles Kapital, ETF‑Strukturen und globale Makrofaktoren verdrängen zunehmend das frühere spekulative Verhalten der Kleinanleger. Wer heute in Bitcoin oder Ethereum investiert, agiert nicht mehr im Wilden Westen, sondern in einem regulierten, liquiditätsgesteuerten Marktumfeld – eben im Aktienmarkt 2.0.  

 

Für Privatanleger bedeutet das mehr denn je: Strategisches Denken ersetzt das Trading‑Fieber der Vergangenheit. 

 

 

Zum Abschluss noch ein Praxis-Tipp von mir:

Schau dir bei Plattformen wie TradingView den Indikator "Global M2 Money Supply" an und vergleiche ihn mit dem Bitcoin-Kurs auf Log-Skala. Du wirst sehen: Bitcoin ist im Grunde ein "Liquiditäts-Thermometer". Er zeigt an, wie heiß die Druckerpressen der Zentralbanken laufen.

 

Jetzt wirst du sagen ... Ja, das stimmt schon grundsätzlich, aber zuletzt lief es doch deutlich auseinander.

 

Das lag an dem sog. "Absaug-Phänomen":

Während die globale Geldmenge (M2) technisch gesehen leicht stieg, war die verfügbare Netto-Liquidität oft niedriger.

Das liegt daran, dass das US-Finanzministerium (Treasury) massiv Liquidität vom Markt abgesaugt und auf das sogenannte TGA-Konto (Treasury General Account) verschoben hat, um Rücklagen zu bilden oder Schulden zu bedienen.

 

Man muss sich das TGA-Konto wie das Girokonto des Staates bei der Zentralbank vorstellen. Wenn das Ministerium dort Kapital ansammelt – etwa durch Steuereinnahmen oder Anleihenverkäufe –, wird dieses Geld dem aktiven Wirtschaftskreislauf entzogen.

Bitcoin reagiert extrem sensibel nicht nur auf die reine Geldmenge, sondern auf die tatsächlich verfügbare überschüssige Liquidität. Wenn der Staat Kapital vom Markt absaugt und auf diesem Konto parkt, bleibt für Risiko-Assets wie BTC trotz steigender M2-Zahlen nichts übrig.

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