Bitcoin – was bleibt?

 

Nachdem der Titel so philosophisch anmutet, hatte ich schon überlegt, eventuell einen Salon-Artikel zu schreiben, der essayartig auf Bitcoin und dessen Rolle im System eingeht. Dann war ich allerdings doch eher im „Zahlen Daten Fakten-Modus“ und so entstand nachfolgender Artikel:

 

 

Die Marktbewegungen im Januar 2026 haben eine klare Trennlinie gezogen: Während Gold seine Rolle als makroökonomisches Sicherheitsnetz mit neuen Rekordhochs bestätigt, hat Bitcoin seine Korrelation zum Edelmetall scheinbar verloren. Die Erzählung vom „digitalen Gold“ lässt sich momentan schwer aufrechterhalten. 

 

Was wie eine Schwäche wirkt, ist bei genauerer Betrachtung der Abschluss einer strukturellen Transformation: Bitcoin ist heute das präziseste Liquiditäts-Barometer der Welt.

 

Das Liquiditäts-Barometer: Warum Bitcoin der Geldmenge (M2) folgt

Die wichtigste Erkenntnis für euer Depot: Bitcoin reagiert nicht primär auf die Inflation (Preise im Supermarkt), sondern auf die globale Geldmenge (M2). Er fungiert als „Hochleistungsschwamm“ für überschüssiges Fiat-Geld.

 

 * Der Hebel-Effekt: Da Bitcoins Angebot auf 21 Millionen Einheiten begrenzt ist, wirkt jede Ausweitung der Geldmenge durch Zentralbanken wie ein direkter Hebel auf den Preis. Historische Daten (2020–2025) zeigen eine Korrelation von teils über 0,9 zwischen dem M2-Wachstum und dem BTC-Kurs.

 

 * Das Liquiditäts-Thermometer: Wenn Zentralbanken die Zinsen senken oder Liquidität ins System pumpen (Quantitative Easing), steigt Bitcoin meist mit einer Verzögerung von 60 bis 90 Tagen massiv an. 

Umgekehrt gilt: Zieht das System Liquidität ab (Quantitative Tightening), fungiert Bitcoin als „Geldautomat“ der Märkte und wird als hochliquides Asset zuerst verkauft.

 

Die neue Identität: Zensurresistentes Eigentum

Wenn Bitcoin kein Gold und kein klassisches Zahlungsmittel ist – was ist es dann? 

 

Wir müssen Bitcoin als „Digital Property“ begreifen. Es ist das erste Asset der Geschichte, das man in Sekunden global als Sicherheit für Kredite hinterlegen kann, ohne dass eine Bank den physischen Zustand prüfen muss.

Doch was bleibt, ist noch mächtiger: Es ist die einzige Technologie, mit der man Milliardenwerte binnen Minuten um den Globus schicken kann, ohne dass eine Bank, ein Staat oder eine andere zentrale Instanz den Vorgang stoppen oder zensieren kann. In einer digital vernetzten Welt ist diese Zensurresistenz die eigentliche Existenzberechtigung von Bitcoin. Es ist programmierbare Freiheit in Form von Code.

 

Der Grad der Institutionalisierung hilft uns

Die Frage nach einem „Verbot“ wird heute durch die harten Fakten der Kapitalströme beantwortet. Wir befinden uns im Stadium einer sehr fortgeschrittenen Systemintegration:

 * ETFs als Kapital-Schleusen: Über Spot-ETFs (BlackRock, Fidelity) sind mittlerweile hunderte Milliarden Dollar investiert. Bitcoin ist damit fester Bestandteil des regulierten US-Finanzmarktes.

 * Banken-Infrastruktur: Globale Institute verdienen heute an Verwahrsystemen und Gebühren. Sie sind nun die mächtigsten Lobbyisten für den Erhalt des Assets.

 * Staatsbesitz: Die USA, El Salvador und Bhutan halten bereits signifikante Bestände. Ein Angriff auf Bitcoin wäre heute ein Angriff auf die Bilanzen von Nationalstaaten und die Altersvorsorge von Millionen Bürgern (Pensionskassen).

 

Ausblick: Kursentwicklung durch Kooptierung

Für uns als Investoren bedeutet diese „Kooptierung“ (Einverleibung), dass das systemische Risiko sinkt, während das Aufwärtspotenzial mathematisch kalkulierbar bleibt.

 * 5-Jahres-Prognose (bis 2031): Mit der weiteren Integration in Standard-Portfolios könnte ein Zielbereich von 150.000 $ bis 250.000 $ realistisch sein.

 * 10-Jahres-Prognose (bis 2036): Das Ziel bleibt die Marktkapitalisierungs-Parität mit Gold. Sollte Bitcoin 50 % der Gold-Market-Cap absorbieren, läge der faire Wert bei ca. 400.000 $ bis 500.000 $ pro Coin.

 

Fazit:

Bitcoin hat sich vom „alternativen Rebellengeld“ zum „digitalen Kollateral“ (Kreditsicherheit/Hinterlegungswert) entwickelt.

Es ist kein Geld zum täglichen Ausgeben und kein Gold zum bloßen Vergraben – es ist globales, unzensierbares Eigentum.

Die Rollenverteilung sieht nach meiner Betrachtung wie folgt aus:

 * Gold: Dient der Kapitalerhaltung (die Versicherung).

 * Bitcoin: Dient dem Kapitalaufbau (der Rendite-Turbo) gebunden an das Schicksal der globalen Geldmenge.

 

 

Was bleibt, ist eine asymmetrische Wette auf die Zukunft – eine Wette darauf, dass Bitcoin zwar “im Anzug der Wall Street tanzt”, aber tief in seinem dezentralen Code das einzige Gut bleibt, das uns wirklich selbst gehört. 

Denn während Gold in der Geschichte oft per Dekret in staatlichen Tresoren verschwand, lässt sich mathematische Wahrheit auf zehntausenden weltweit verteilten Rechnern weder konfiszieren noch per Knopfdruck sperren.

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