Mohnish Pabrai: Warum die wahren „100-Bagger“ nicht in den USA liegen

 

Wenn ihr euch intensiver mit Value Investing beschäftigt, kommt ihr an einem Namen nicht vorbei: Mohnish Pabrai. 

Er ist bekannt für seine extreme Konzentration auf wenige Aktien und seine Strategie des „schamlosen Klonens“. Doch wer heute nur auf seine US-Meldungen (13F) schaut, verpasst das eigentliche Herzstück seiner Strategie.

 

In diesem Artikel analysieren wir, warum Pabrai sein Kapital massiv in Schwellenländer wie die Türkei und Indien verschoben hat und wie wir diese speziellen Titel auch mit einem Depot abbilden können.

 

Die Zwei-Teilung des Portfolios

Pabrais Strategie lässt sich aktuell in zwei völlig unterschiedliche Lager aufteilen:

 

Die US-„Cannibals“ (ca. 30 % des Kapitals):

Hier hält er Firmen wie Warrior Met Coal (HCC) oder Alpha Metallurgical (AMR). Das sind Unternehmen in „hässlichen“ Branchen (Kohle), die so viel Cashflow generieren, dass sie massiv eigene Aktien zurückkaufen und sich so quasi selbst „auffressen“.

Nur diese finden sich in den 13F Meldungen:

https://hedgefollow.com/funds/Dalal+Street

https://valuesider.com/guru/mohnish-pabrai-dalal-street/portfolio?sort=-value&page=1

https://www.13radar.com/guru/mohnish-pabrai

 

 

“Wer nur auf Mohnish Pabrais's US-Meldungen (13F) schaut, sieht nur das Schaufenster, aber nicht das Lagerhaus seiner Strategie.”

— GÜNTHER SCHAUPP 

 

Deswegen ist für mich gerade das interessant, was sich nicht in diesen 13F Meldungen auffinden lässt, weil das Titel sind, die seinen ehemaligen größten Erfolgen mit indischen Aktien (100x) am nächsten kommen:

 

Die internationalen potentiellen 100-Bagger (ca. 70 % seines Gesamtkapitals liegen in vier Aktien):

Hier liegen seine echten Überzeugungswetten. Pabrai sucht nach „Low Risk, High Uncertainty“ – also Situationen, in denen der Markt Angst hat (z. B. Inflation in der Türkei), die zugrunde liegenden Sachwerte aber extrem sicher sind.

 

Fokus Türkei: Sachwerte zum Spottpreis aus seiner Sicht

Die Türkei ist derzeit Pabrais größtes Spielfeld. Er nutzt die dortige Währungskrise, um reale Vermögenswerte "fast geschenkt" zu kaufen.

 

1) Reysas Tasimacilik (ISIN: TREREYS00015 | Ticker: RYSAS)): 

Seine mit Abstand größte Position (geschätzt 40 % des Gesamtdepots). Reysas ist ein Logistik-Riese mit Millionen Quadratmetern an Lagerflächen. Während die Lira fällt, steigen die Werte dieser Immobilien und die Mieten (oft in USD/Euro gekoppelt). Für Pabrai ein klassischer „Asset Play“.

 

Pabrai investiert nicht in die Währung (Lira), sondern in das Unternehmen. Er wettet darauf, dass ein Quadratmeter Lagerhalle seinen Wert behält, egal wie viele Nullen die Zentralbank an die Geldscheine druckt."

 

 

2) TAV Airports (ISIN: TRETAVH00018 | Ticker: TAVHL): 

(geschätzt 10 bis 15% des Gesamtdepots) Ein Betreiber von 15 Flughäfen weltweit. Die Einnahmen fließen größtenteils in harten Währungen, während die Kosten lokal anfallen. Ab 2026 erwartet Pabrai hier massive Dividendenausschüttungen, da große Investitionsprojekte abgeschlossen sind.

 

 

 

Fokus Indien: Die Wette auf den Finanzboom

In Indien setzt Pabrai auf den wachsenden Wohlstand und die Professionalisierung des Finanzsektors.

 

3) Edelweiss Financial Services (ISIN: INE532F01054 | Ticker: EDELWEISS): 

Ein Konglomerat, das Pabrai wegen seiner „Spin-off“-Qualitäten liebt. Das ist die Muttergesellschaft, die an der NSE/BSE gelistet ist.

Er wettet nun darauf, dass die Einzelteile (wie z. B. das bereits abgespaltete Wealth Management) separat gelistet viel mehr wert sind als die Muttergesellschaft.

 

4) Nuvama Wealth Management (ISIN: INE531F01023 | Ticker: NUVAMA): 

Ein direktes Ergebnis dieser Strategie. Nuvama entstand durch die Abspaltung des Wealth-Management-Arms von Edelweiss. Wenn man Edelweiss-Aktien hielt, bekam man Nuvama-Aktien quasi ins Depot gebucht.

Nuvama profitiert als Vermögensverwalter direkt vom rasant steigenden Reichtum der indischen Mittelschicht.

 

 

Die Umsetzung: Welcher Broker macht das möglich?

Wenn ihr diese Titel kaufen wollt, werdet ihr bei Standard-Brokern wie Trade Republic und selbst Degiro oft enttäuscht, da diese keinen Zugang zur Börse Istanbul oder zu indischen Zertifikaten bieten.

 

Für die türkischen Werte ist Interactive Brokers (IBKR) unumgänglich, da dort der direkte Zugang zur Börse Istanbul (BIST) unkompliziert freigeschaltet werden kann.

 

Wichtiger Hinweis zu Indien: Als deutsche Privatanleger könnt ihr indische Aktien aufgrund lokaler Gesetze nicht direkt kaufen. Ihr müsst auf sogenannte GDRs (Zertifikate) ausweichen, die an Börsen wie London oder New York gelistet sind und über Interactive Brokers handelbar sind.

 

3+4 oben sind aus Indien (Edelweiss & Nuvama): Da man die indischen Aktien (NSE/BSE) als Nicht-Inder nicht direkt kaufen kann, werde ich versuchen, bei Interactive Brokers nach "EDELWEISS GDR" oder "NUVAMA GDR" (oft an der Londoner Börse gelistet) zu suchen. Falls dort kein GDR verfügbar ist, ist der Handel für Privatpersonen in Deutschland oft nur über Umwege möglich.

 

Die Hürde: Warum ihr (fast) keine indischen Einzelaktien kaufen könnt

Ein direkter Kauf von Titeln wie Edelweiss oder Nuvama an der National Stock Exchange (NSE) ist für 99 % der Privatanleger in Deutschland schlicht unmöglich. Indien erlaubt den direkten Marktzugang nur "Foreign Portfolio Investors" (FPIs) mit aufwendiger Registrierung. Auch die oft zitierten GDRs (Zertifikate) existieren für diese speziellen Small-Caps meist nicht oder sind völlig illiquid.

Die einzige Lösung: Wer Pabrais Indien-Wette kopieren will, muss auf ETFs ausweichen, die gezielt das Small-Cap-Segment und den Finanzsektor Indiens abdecken.

Konkrete ETF-Alternative für die Pabrai-Strategie

Da Pabrai in Indien keine Bluechips wie Reliance kauft, sondern auf die "nächste Generation" setzt, bringen euch Standard-Indien-ETFs (wie auf den Nifty 50) wenig. Ihr müsst tiefer graben nach ETFs mit kleineren Unternehmen.

 

Da es keinen "perfekten" reinen Indien-Small-Cap-ETF mit UCITS-Siegel gibt, der physisch repliziert und breit verfügbar ist, ist der nachfolgende ETF wohl der beste Kompromiss:

iShares MSCI EM Small Cap (IE00B3F81G20)

Man könnte zumindest ansatzweise den Pabrais Small-Cap-Ansatz kopieren. Er deckt die kleinen Hidden Champions der gesamten Schwellenländer ab. Indien stellt mit fast 20 % das schwerste Gewicht im ETF. Ihr kauft also ein breites EM-Portfolio, habt aber den Motor in Indien und seid zusätzlich in anderen spannenden Märkten wie Taiwan oder Südkorea investiert.

 

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00B3F81G20#uebersicht

https://extraetf.com/de/etf-profile/IE00B3F81G20

 

 

Natürlich erreichen wir mit einem ETF nicht ansatzweise die Höhe der Konzentration von Pabrai, da wir ein Paket aus ca. 1900 Firmen kaufen. Das senkt das Risiko (Totalverlust einer Firma egal), verwässert aber natürlich auch die "x-Bagger"-Chance eines einzelnen Titels.

 

 

Die praktische Umsetzung: So könnte man das "Pabrai-Depot" nachbauen:

 

USA (ca. 30%) - Cashflow-Monster & Aktienrückkäufe ("Cannibals")

Warrior Met Coal (HCC) / Alpha Metallurgical (AMR)  und weitere Aktien nach 13 F

Bei allen gängigen deutschen Brokern verfügbar. 

 

Türkei (ca. 50%) - Sachwert-Play & Hartwährungs-Einnahmen

Reysas (RYSAS) / TAV Airports (TAVHL)

Broker: Interactive Brokers * (Werbung / Affiliate-Link)

Transparenzhinweis: Wenn du dich über diesen Link anmeldest, unterstützt du meine Arbeit mit einer kleinen Provision. Für dich bleibt der Preis gleich. (Manchmal kannst du sogar eine Werbeprämie erhalten.)

Ich musste auch ein Depot bei Interactive Broker eröffnen, um die Aktien OTC (=Over the counter) kaufen zu können. Einen Direktzugang zur Börse Istanbul bietet selbst Interactive Broker leider nicht an. Ganz wichtig: Denkt in diesem Zusammenhang egal wo ihr kauft immer daran, eine Limitorder zu setzen.

 

Indien (ca. 20%) - Finanzboom & Small-Cap-Wachstum

iShares MSCI EM Small Cap (ISIN: IE00B3F81G20)

Bei allen gängigen deutschen Brokern verfügbar. (Physisch, UCITS-konform)

 

 

 

Fazit: Geduld als Renditebringer

Pabrai traded nicht wild hin und her. Wenn er eine Position wie Reysas eingeht, hält er sie oft über ein Jahrzehnt. Er sagt: „Das Geld wird nicht durch das Kaufen und Verkaufen verdient, sondern durch das Warten.“

 

Risiko: Wer diese Strategie kopiert, muss mit extremer Volatilität in der Türkei (und auch Indien, EM-Smallcaps) klarkommen, investiert aber -wenn es nach Pabrai geht- in reale Werte, die weit unter ihrem inneren Wert gehandelt werden.

 

Aber Vorsicht: 

Bei diesen Chancen ist natürlich auf der anderen Seite auch ein Totalverlust-Risiko immer mit einzukalkulieren.

Dass dies -wenn überhaupt- nur eine Mini-Beimischung zum bestehenden Depot sein kann, sollte sich aufgrund der Risiken auch von selbst verstehen. Lest hierzu unbedingt meinen umfangreichen Disclaimer bzw. Haftungsausschluss zu dieser Website. 

 

Wichtiger Risikohinweis & Disclaimer speziell für diesen Artikel zusätzlich zu meinem grundsätzlichen Disclaimer und Haftungsausschluss auf dieser Website.

 

1. Allgemeines Investitionsrisiko

Die in diesem Artikel besprochene Strategie von Mohnish Pabrai ist eine Hochrisiko-Strategie, die auf extremer Konzentration und Investments in politisch sowie ökonomisch instabilen Märkten basiert. Historische Renditen (wie die „100-Bagger“) sind keine Garantie für die Zukunft. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist, insbesondere bei Einzelwerten in Schwellenländern, jederzeit möglich.

 

2. Schwellenländer- & Währungsrisiken

Investments in der Türkei und Indien unterliegen erheblichen politischen Risiken, mangelnder Rechtssicherheit und massiven Währungsschwankungen. Während Sachwerte (Immobilien/Flughäfen) einen gewissen Schutz bieten können, kann ein Verfall der Lokalwährung (Lira/Rupie) gegenüber dem Euro die Rendite vollständig vernichten oder zu hohen Buchverlusten führen.

 

3. Small-Cap-Spezifika

Small-Caps und Mid-Caps sind oft deutlich volatiler und illiquider als Bluechip-Aktien. Große Kurssprünge in beide Richtungen sind die Regel, nicht die Ausnahme. Der vorgestellte ETF (IE00B3F81G20) streut dieses Risiko zwar über ca. 1.900 Titel, bleibt aber innerhalb einer risikoreichen Anlageklasse.

 

4. Steuerliche & Regulatorische Pflichten (Auslandsdepot)

Bei der Nutzung von Brokern wie Interactive Brokers (Sitz im Ausland) bist du selbst dafür verantwortlich, deine Kapitalerträge korrekt in der deutschen Steuererklärung (Anlage KAP) anzugeben, da der Broker keine automatische Abgeltungsteuer abführt.

Quellensteuer: In Indien und der Türkei fällt Quellensteuer an. Eine Anrechnung oder Rückerstattung ist kompliziert und oft nur teilweise möglich.

Meldepflichten: Beachte die AWV-Meldepflicht bei Überweisungen über 12.500 € an die Deutsche Bundesbank.

 

5. Keine Anlageberatung

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Finanzanalyse dar. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung möglicherweise selbst Positionen in den genannten Titeln. Handle stets nach eigenem Ermessen und ziehe bei Bedarf einen qualifizierten Steuer- oder Anlageberater hinzu.

 

Quellen:

https://www.tikr.com/de/blog/mohnish-pabrais-top-5-holdings-recent-buys?utm_source=perplexity

https://de.wikipedia.org/wiki/Mohnish_Pabrai

 

 

 

Wichtiger Hinweis zur Gewichtung: Die „4 % vs. 40 %“-Falle

Wer die Geschäftsberichte von Pabrais öffentlichem US-Fonds (Wagons Fund) liest, wird dort bei Reysas nur eine Gewichtung von ca. 4 % finden. Das führt oft zu Verwirrung, ist aber rein rechtlich bedingt:

Die 4 % im Prospekt: Als regulierter Investmentfonds in den USA unterliegt der Wagons Fund strengen Diversifikations-Vorschriften. Er darf gesetzlich oft nicht mehr als 5 % in einen einzelnen Titel stecken.

Die reale 40 %-Überzeugung: In seinen privaten Partnerschaften (Dalal Street), wo diese Fesseln nicht existieren, ist Pabrai „All-In“. Er hält dort Schätzungen zufolge fast die Hälfte seines Kapitals in Reysas und kontrolliert mittlerweile fast 40 % der gesamten Firmenanteile.

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