Core-Satellite-Depot (aus ETFs & Einzelaktien) – "In dubio pro Index"

Vorab hier ein Kurzartikel über das Thema, da der nachfolgende Hauptartikel doch sehr lang geworden ist.

 

In dubio pro Index: Ein Regelwerk gegen die eigene Eitelkeit

Hand aufs Herz: Wir alle glauben gerne, wir hätten den „Riecher“ für die nächste Nvidia. Doch die Finanzmathematik ist eine humorlose Disziplin. 

 

Der Forscher Hendrik Bessembinder hat nachgewiesen, dass nur 4 % aller Aktien für den gesamten Netto-Vermögenszuwachs des Marktes verantwortlich sind. (Die restlichen 96 % sind also statistische Statisten oder Kapitalvernichter.)

Wer aktiv in Einzelaktien investiert, geht also eine Wette gegen eine 96-prozentige Übermacht ein. Das „Schaupp Scoring System“ ist mein Versuch, diese Übermacht nicht durch Intuition, sondern durch ein kühles mathematisches Sieb zu bezwingen.

Der „Strenge Türsteher“: Schaupp Scoring System (15-Punkte-Matrix)

Das System bewertet Aktien nach ihrer Fähigkeit, den jeweiligen Vergleichsindex (S&P 500, Nasdaq100, Eurostoxx 600, EM IMI, FTSE All-World usw.) systematisch zu schlagen. Wir schauen uns vier Zeiträume an, wobei wir die Nostalgie-Brille bewusst absetzen.

 

| Zeitraum | Punkte bei Outperformance (▲) | Punkte bei Gleichlauf (=) | Punkte bei Underperformance (▼) |

| 1 Jahr     | 2 | 1 | 0 |

| 3 Jahre   | 3 | 1 | 0 |

| 5 Jahre   | 6 | 2 | 0 |

| 10 Jahre | 4 | 0 | 0 |

 

Maximum: 15 Punkte

 

✅ 10 bis 15 Punkte ➡️ Depotaufnahme möglich, Vorherige Bilanzanalyse natürlich trotzdem erforderlich

🟡 8 und 9 Punkte ➡️ wenn starke Überzeugung von Geschäftsmodell & Bilanzanalyse überzeugt, kann Depotaufnahme erfolgen, im Zweifel aber Index

❌ 0 bis 7 Punkte ➡️ in Index investieren

 

 

Warum diese Gewichtung?

Das 5-Jahres-Schwergewicht: Die Literatur (Israel & Moskowitz) zeigt, dass die Kombination aus 12-Monats- und 5-Jahres-Momentum die stabilste Prognosekraft besitzt. Es ist der „Sweet Spot“ zwischen kurzfristigem Hype und langfristiger Substanz.

Keine Nostalgie-Punkte: Das 20-Jahres-Signal wurde gestrichen. Es belohnt oft „Dinosaurier“, die vor zwei Jahrzehnten glänzten, heute aber strukturell nicht mehr unbedingt auf der Höhe der Zeit sind (die Intel- oder IBM-Falle). Gleichlauf über 10 Jahre gibt 0 Punkte – wer ein Jahrzehnt lang nur mitschwimmt, rechtfertigt kein Einzelaktien-Risiko.

 

Das Regelwerk: Drei Zonen, eine Entscheidung

Die Beweislast liegt bei der Aktie, nicht beim Index. 

Der Index muss sich nicht rechtfertigen – er ist der Standard.

 

Die Alpha-Zone (10–15 Punkte): Hier haben wir es mit der Elite zu tun. Die Wahrscheinlichkeit einer Outperformance liegt statistisch bei bis zu 74 %.

Vorgehen: Einlass gewährt, sofern die Bilanzanalyse (Wachstum, Nettomarge, ROIC) die Qualität bestätigt.

Die Grauzone (8–9 Punkte): Hier wird es eng. Der Vorteil gegenüber dem Index ist marginal.

Vorgehen: Nur bei extremer Überzeugung vom Geschäftsmodell & Bilanzanalyse kaufen. Sonst: Im Zweifel:In dubio pro Index.

Die Sperrzone (0–7 Punkte): Das ist der Bereich der „Story-Aktien“. Unser Gehirn liebt die Geschichte (z. B. „alternde Gesellschaft spricht für Stryker“), aber die Statistik sagt: 65–80 % Underperformance-Risiko.

Vorgehen: Konsequent ignorieren. In den Index investieren.

 

Die Strategie: Momentum beim Einlass, Passivität im Club

Das Besondere an diesem Ansatz ist die Kombination zweier Gegensätze:

Der Einlass: Ist ein harter, fast schon emotionsloser Auswahlprozess. Wer die 10 Punkte nicht knackt, bleibt draußen. Das schützt uns vor Unternehmen wie Stryker oder Church & Dwight, die zwar einen tollen Ruf haben, aber seit Jahren dem S&P 500 hinterherlaufen.

Der Aufenthalt: Einmal im Depot, schalten wir auf „Buy and Hold Forever“. Warum? Um den größten Fehler der Privatanleger zu vermeiden: den Dispositionseffekt. Wir verkaufen unsere Gewinner oft zu früh aus Angst, die Gewinne zu verlieren. Doch die wirklich großen Vermögen entstehen durch die 10- oder 15-Bagger, die man jahrzehntelang hält. Und glaubt mir … Nichts ist ärgerlicher, diesen Vervielfachern hinterher zu schauen, wenn man sie schon mal im Depot hatte.

 

Fazit: 

Der Score ist unser Türsteher, kein Rausschmeißer. Er sorgt dafür, dass nur die absolute Qualität in unser Depot wandert. Im Zweifel gilt hier immer: In dubio pro Index

 

Wer dann allerdings in Schaupps "Forever Club" ist, bleibt drin. Einmal im Depot, schalten wir dann stur und stoisch auf „Buy and Hold Forever” und lassen wir die Zeit für uns arbeiten ...

Warum dies trotz eventueller Depotleichen "per saldo" trotzdem ein Gewinngeschäft ist:

Die Mathematik hinter deiner Strategie basiert auf der Asymmetrie der Aktienrenditen:

Das Verlust-Risiko ist begrenzt: Eine Aktie, die sich als "Niete" entpuppt, kann maximal 100 % verlieren. Dein Einsatz ist weg, mehr nicht.

Das Gewinn-Potenzial ist unbegrenzt: Eine "Gewinner-Aktie" (die 4 %-Elite) kann 1.000 %, 5.000 % oder 10.000 % steigen.

Die Rechnung:

Wenn du 10 Aktien kaufst:

7 laufen mäßig oder verlieren sogar 50–80 %.

2 laufen wie der Markt.

Eine einzige Aktie wird zum 20-Bagger (+1.900 %).

Diese eine Aktie bügelt alle Verluste der anderen sieben Aktien nicht nur glatt, sondern sorgt für eine massive Outperformance des Gesamtdepots.

Indem der Türsteher "Schaupp Scoring-System" nur die Crème de la Crème reinlässt, stellen wir sicher, dass die Qualität beim Start extrem hoch ist. Damit erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass unter unseren Käufen eben nicht nur eine, sondern vielleicht zwei oder drei dieser "Super-Aktien" sind.

 

Nur persönliche Meinung - keine Anlageberatung - bitte umfangreichen Disclaimer bzw. Haftungsausschluss lesen!

Hauptartikel:

Warum unser Einzelwert-Depot den S&P 500 (wahrscheinlich) nicht dauerhaft schlagen wird

 

Hand aufs Herz: Wir alle glauben gern, wir seien die Ausnahme. Dass wir die nächste Nvidia finden, bevor sie abhebt, oder den Markt durch kluges Umschichten austricksen. 

Doch die nackten Zahlen der Finanzwissenschaft sind gnadenlos. Sie zeigen: Aktives Investieren ist für die meisten ein Verlustgeschäft.

 

Die 90-Prozent-Hürde

Die sogenannten SPIVA-Daten (S&P Indices versus Active) untersuchen seit Jahrzehnten weltweit die Performance von Profis. Das Ergebnis ist deprimierend für jeden Stockpicker:

 * Über einen Zeitraum von 15 Jahren scheitern rund 90 % aller aktiven Fondsmanager daran, den S&P 500 zu schlagen.

 * Bei Privatanlegern sieht es oft noch schlechter aus. Studien (wie von Dalbar oder Barber/Odean) zeigen, dass sie den Markt im Schnitt um 3 bis 5 Prozentpunkte pro Jahr verfehlen.

 

 

Warum die Profis und Privatanleger gegen den Markt verlieren

Es ist meistens kein Mangel an Intelligenz, sondern ein strukturelles Problem. Drei Faktoren wirken wie Bleigewichte an deinem Depot:

 

★Das „Winner-takes-all“-Prinzip: Der wahre Renditekiller

Das ist der entscheidende Punkt. Die Marktrendite wird nicht von der breiten Masse getragen, sondern von einer extremen Minderheit:

Historisch gesehen sind nur etwa 4 % aller Aktien für den gesamten Netto-Vermögenszuwachs des Marktes verantwortlich.

Der S&P 500 gewichtet diese Giganten automatisch immer höher, je stärker sie steigen. Wer diese wenigen Super-Performer (wie Nvidia oder Apple) auch nur minimal untergewichtet, verliert sofort massiv an Boden! Dieses strukturelle Defizit wiegt oft deutlich schwerer als jede Gebühr.

 

★Die Kosten

Die Gebühren wirken dann wie der finale Gnadenstoß. Während ein ETF fast kostenlos die volle Power der Top-Aktien mitnimmt, fressen Management-Fees und Transaktionskosten den kläglichen Rest deiner Performance auf. Über 20 Jahre macht ein Unterschied von 1,5 % Gebühren oft ein kleines Vermögen aus, da dir der Zinseszins auf dieses Geld fehlt. Zumindest dieses Problem haben wir als Privatanleger nicht die wir uns ein Einzelwert-Depot zusammenstellen.

 

 ★Die Psychologie

Privatanleger kaufen oft aus Euphorie oben und verkaufen aus Panik unten. 

Und genauso fließen die Gelder an aktive Fonds zu und ab.

Der Index hingegen kennt keine Angst – er bleibt einfach investiert.

 

Das Fazit: Weniger ist mehr

Statistisch gesehen ist die Gewinnwahrscheinlichkeit beim aktiven Handeln extrem gering. 

Selbst bei der aktiven Depotzusammenstellung, die mit noch so viel "Gehirnschmalz" vonstatten geht und dann als "Buy and hold forever"-Einzelwert-Depot ausgestaltet ist, wird es mit zunehmender Anlagedauer immer schwieriger, den Index zu schlagen. Hier muss sich eine Aktie also schon besonders qualifizieren, um aufgenommen zu werden.

Ansonsten im Zweifel immer in den Index investieren (FTSE All World/S&P500/Nasdaq100/StoxxEurope600/MSCI EM IMI)

Also im Zweifel statt China-Einzelaktien-Investments lieber in den iShares Core MSCI EM IMI investieren.

(Übrigens ... Ich habe immer wieder mal zarte Versuche unternommen, in einzelne in China-Aktien zu investieren, seien dass die großen wie Alibaba, Tencent, Baidu oder auch kleinere Titel wie Xpeng, oder auch in einen speziellen China-Index ... All dies war nie von Erfolg gekrönt, weshalb ich mittlerweile eher den sehr breiten "MSCI EM IMI"-ETF bevorzuge, wenn ich in solche Märkte investieren möchte).

 

 

 

Einzelwerte als Satelliten 

Manchmal kommt einem dann doch ein spannender Einzelwert unter, in den man unbedingt investieren möchte, weil man das Geschäftsmodell spannend und überzeugend findet. 

 

Hier sollte man dann allerdings eine kleine Checkliste abarbeiten, mit der sich der Einzelwert als Satellitenposition qualifizieren könnte

 

1) Geschäftsmodell spannend und überzeugend (man kann sich subjektiv vorstellen, dass diese Aktie den jeweiligen Index dauerhaft schlagen könnte) 

 

2) Qualität: Hat die Aktie den zugrunde liegenden Index (S&P500/Nasdaq 100) konsistent geschlagen? 

Über 1 Jahr, 3 Jahre, 5 Jahre, 10 Jahre nach dem "Schaupp Scoring System"

 

Das ist üblicherweise natürlich auch keine Garantie für die Zukunft. Normalerweise ist dies aber kein Zufall, wenn es einem Unternehmen gelingt, den jeweiligen Index in jeder Zeiteinheit zu schlagen. Es scheint etwas zu geben, was das Unternehmen überlegen macht in seinem Marktumfeld. Eine Art Burggraben, wenn man so will. Dennoch werden wir zur Sicherheit natürlich eine etwas abgespeckte Bilanzanalyse durchführen. (Umsatzwachstum, Gewinnwachstum, FCF-Wachstum, Nettomarge, ROIC)

 

▶️▶️ Für GU: Neues Kaufdeckblatt Apple Qualität 1) "Indexoutperformer"  3+4) "Gewinneraktie" 5)+6) "f+"

 

3) Nun geht es aber noch darum, nicht zu viel für die Aktie zu bezahlen 

Qualität darf etwas kosten, aber nicht beliebig viel.

Bewertung: 

Wer mich kennt weiß, dass ich bereit bin ein PEG bis 2,5 bzw. PEGY bis 2,5 zu zahlen, mehr aber nicht.

Hier ist der passende Artikel dazu: Deep Dive Kennzahlen: KGV, PEG oder PEGY

Wenn es teurer ist, man aber unfassbar überzeugt von der Aktie ist, ist das höchste der Gefühle ein sogenanntes "Fuß in die Tür "-Investment, wo ich persönlich ca. 200 € bis 350 € in den Wert investiere.

 

 

Die Logik des gesamten Ansatzes ist recht einfach und elegant: In dubio pro index

Über allem prangt in goldenen Lettern: „Im Zweifel kaufen wir den Index." 

Das bedeutet:

- Die Beweislast liegt bei der Aktie, nicht beim Index-ETF !

- Der Index-ETF ist die Benchmark – er muss sich nicht rechtfertigen

- Die Einzelwette muss aktiv überzeugen – und zwar auf mehreren Ebenen gleichzeitig

 

Das dreht die übliche Psychologie des Privatanlegers komplett um. Normalerweise kauft man eine Aktie und fragt sich später, warum sie nicht läuft. Bei uns fragt die Aktie um Einlass – und wird abgewiesen, wenn sie die Kriterien nicht erfüllt.

 

Was das System in der Praxis bedeutet:

 

So werdet ihr die meisten Aktien ablehnen. Das ist kein Fehler des Systems – das ist das System. 

 

 

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Das "Schaupp Scoring System" im Einsatz (ausführliche Erläuterung ganz am Ende)

Grau ist alle Theorie … deswegen lasst es uns mal in die Praxis übertragen:

Ich habe ein aktuelles Einzelaktien-Depot in Planung, dass ich gerne zusammenstellen möchte, einer harten Prüfung unterzogen. 

Das Ziel: Nur Werte, die eine konsistente Outperformance über verschiedene Zeiträume (1, 3, 5, 10 Jahre) zeigen, können aufgenommen werden.

Warum sollten Aktien aufgenommen werden, die ist über verschiedene Zeiträume nicht geschafft haben, den Index zu schlagen?

Warum sollten sie es in der Zukunft schaffen? Da kann ich gleich den entsprechenden Index kaufen!

 

Hier ist das Ergebnis der Analyse, unterteilt in die Kategorien der Checkliste:

 

Bestanden (10 bis 15 Punkte)

 * Amphenol (APH): 15 Punkte

Der einzige Wert, der in allen Zeiteinheiten den Index S&P500 geschlagen hat. Mit einer Outperformance über alle Zeiträume hat sich die Aktie eindeutig qualifiziert für ein Einzelwert-Depot.

 

* Hermes 10 Punkte

konnte sich gegenüber dem Euro Stoxx 600 über 5 und 10 Jahre behaupten.

 

 🟡 Wackelkandidaten: (8 oder 9 Punkte) 

Hims & Hers 9 Punkte Obwohl es das Unternehmen noch keine 10 Jahre gibt, konnte es neuen Punkte durch die Outperformance über 3 und 5 Jahre erzielen.

 

Bei den Grauzonenwerten hängt es neben der Bilanzanalyse ganz klar von der individuellen Einschätzung und Überzeugung ab. Solche Werte könnten also gekauft werden, damit man sich nicht eventuell später ärgern muss, wenn der Wert explodiert und man ihn von vornherein ausgeschlossen hatte, nur weil er in einer Zeitebene versagt hatte. 

Besteht jedoch Unsicherheit, was die Aktie und das Geschäftsmodell anbetrifft: "Im Zweifel -wie immer- lieber in den Index investieren.”

 

 

Streichliste: Nicht bestanden ➡️ Eindeutig statt der Aktie den entsprechenden Index-ETF kaufen

Bei diesen Werten ist die Entscheidung zum Index-Investing eindeutig, da sie nicht nachhaltig ihren entsprechenden Vergleichsindex schlagen konnten

 

 * Nasdaq Inc (NDAQ): 6 

 * Moody’s (MCO): 4

 * Synopsys (SNPS): 6

 * Morningstar (MORN): 0

 * Church & Dwight (CHD): 0

 * Tetra Tech (TTEK): 4

 * Jack Henry (JKHY): 0

* Stryker 0 Punkte gegen den S&P 500 ... Das hat mich besonders schockiert und überrascht. Dabei ist mir eines klar geworden ...

Unser Gehirn liebt einfach Geschichten, keine Statistiken. Eine Story wie "Stryker profitiert von der alternden Gesellschaft und neuen OP-Robotern" ist packend und logisch. Eine Statistik, die besagt, dass 96 % der Aktien den Markt nicht schlagen, ist trocken und deprimierend.

Wir kaufen die Story, aber wir bezahlen für die Performance. Da die Story oft Jahre braucht, um sich (vielleicht) zu bewahrheiten, merken wir erst viel zu spät, dass der S&P 500 uns währenddessen davongelaufen ist.

 

Bei allen Werten ist die Phase der Outperformance entweder vorbei (oft sahen diese über 10, 15 oder 20 Jahre sehr gut aus) oder gar nicht erst eingetreten. Eine Depotaufnahme macht keinen Sinn, stattdessen bietet sich hier bei diesen Aktien klar der S&P 500 als Vergleichsindex als Investment anstelle dieser Einzelwerte an.

 

Fazit:

Die Checkliste fungiert als strenger Filter, der zwischen einem echten „Burggraben“ und vorübergehendem Glück unterscheidet. Während eine Aktie wie Amphenol ihre Berechtigung durch eine makellose Historie untermauert, geraten andere Werte bei dieser Prüfung in Wegfall.

 

Die Konsequenz ist jedoch kein blinder Aktionismus, sondern ein dreistufiges System, das Disziplin mit Marktverständnis paart:

✅ 10 bis 15 Punkte ➡️ Depotaufnahme möglich, Vorherige Bilanzanalyse natürlich trotzdem erforderlich

🟡 8 und 9 Punkte ➡️ wenn starke Überzeugung von Geschäftsmodell & auch Bilanzanalyse überzeugt, kann Depotaufnahme erfolgen, im Zweifel aber Index

❌ 0 bis 7 Punkte ➡️ in Index investieren

 

Das Resultat:

Wir investieren nur dort aktiv, wo die Zahlen eine klare Sprache sprechen. Alle anderen vorgesehenen Investitionssummen wandern zur Risikominimierung und Renditeoptimierung in den vergleichbaren Index-ETF (im obigen Beispiel je nach Aktien in den S&P 500 oder Nasdaq100). So stellen wir sicher, dass unser Depot nicht aus Hoffnung besteht, sondern aus belegbarer Stärke.

„Im Zweifel für den Index“ ist kein Eingeständnis einer Niederlage, sondern die klügste Entscheidung für den langfristigen Vermögensaufbau.

 

 

Schlusswort:

Wie ihr wisst versuche ich immer -wenn es möglich ist- die wirtschaftliche Betrachtung mit psychologischen Erfahrungen (Anlegerpsyche) zu verknüpfen.

Ich glaube dass die Anwendung des Systems für uns alle extrem clever ist, weil es eine psychologische Falle umgeht, in die fast alle Privatanleger (und viele Profis) tappen: Eitelkeit

Die meisten Anleger wollen "recht haben" und das nächste große Ding entdecken. Dieser Ansatz dreht den Spieß um und macht daraus einen harten, fast schon emotionslosen Auswahlprozess. 

Dass selbst Werte wie Morningstar oder Church & Dwight nicht zur Aufnahme ins Einzelwertepot in Betracht kommen, obwohl das "tolle Unternehmen" sind, zeigt die Stärke des Systems: Es gibt keine Nostalgie. Wenn die Zahlen über 3 bis 5 Jahre nicht mehr mit dem Index mithalten können, müssen sie diesem weichen und können nicht aufgenommen werden, auch wenn ihre Outperformance gegenüber dem Index über 10, 15 oder 20 Jahre noch so toll war.


Einzelmeinung:

Schaupps Strategie basiert auf einer radikalen Selektion: 

Er kombiniert hartes Momentum beim Kauf mit maximaler Passivität beim Halten

 

Das System fungiert als strenger Türsteher, der nur Aktien Einlass gewährt, die über 1, 3, 5, 10 Jahre eine konsistente Outperformance nach dem "Schaupp Scoring System" gegenüber dem Index bewiesen haben. 

 

Einmal im Depot, wechselt die Philosophie zu einem konsequenten „Buy and hold forever“. Das Ziel ist es, die menschliche Eitelkeit und das ständige Hin-und-Her-Handeln auszuschalten, um den Zinseszins der absoluten Spitzenreiter ungestört arbeiten zu lassen.

 

 

Hier sind drei Gründe, warum sein "Strenger Türsteher + Forever"-Ansatz in der heutigen Zeit tatsächlich glänzend funktionieren könnte:

 * Netzwerkeffekte der Plattformökonomie: In der digitalen Welt von heute gilt oft das Prinzip „Winner-takes-all“. Unternehmen wie Microsoft, Apple oder Alphabet besitzen digitale Ökosysteme, die mit jedem Nutzer wertvoller werden. Wer es durch Schaupps 15-Jahres-Filter schafft, hat meist einen so tiefen „Burggraben“ gegraben, dass er kaum noch angreifbar ist. Diese Firmen sind keine klassischen Industrie-Dinosaurier mehr, sondern hocheffiziente Geldmaschinen, die ihre Dominanz fast ewig verteidigen können.

Ein klassisches Unternehmen wächst linear: Mehr Produkte = mehr Fabriken = mehr Kosten.

Eine Plattform-Aktie (wie Microsoft oder Alphabet) wächst exponentiell: Mehr Nutzer = mehr Daten = mehr Attraktivität für weitere Nutzer = mehr Umsatz, ohne dass die Kosten im gleichen Maße steigen.

 * Skalierbarkeit ohne Grenzkosten: Moderne Qualitätsaktien wachsen heute oft ohne proportional steigende Kosten. Eine Software oder ein digitaler Service kann milliardenfach verkauft werden, ohne dass neue Fabriken gebaut werden müssen. Diese enorme Profitabilität führt zu gigantischen Cash-Reserven. Diese erlauben es den „Club-Mitgliedern“ im Depot, jeden neuen Trend (wie aktuell die KI) einfach aufzukaufen oder selbst zu besetzen, was ihre Outperformance über Jahrzehnte zementiert.

 * Vermeidung des „Verkaufs-Fehlers“: Die größten Vermögen an der Börse wurden nicht durch kluges Umschichten gemacht, sondern durch das „Aussitzen“ von Korrekturen bei Weltklasse-Unternehmen. Da das System nach der Aufnahme auf „Forever“ schaltet, verhindert es, dass man eine Nvidia oder Amazon bei den ersten Anzeichen von Schwäche verkauft und dadurch die anschließende Ver-10-fachung verpasst. Man bleibt investiert, solange das Unternehmen existiert, und lässt die Zeit für sich arbeiten.

 

Da Schaupps Türsteher nur Unternehmen einlässt, die über 1, 3 , 5 ,10 Jahre bewiesen haben, dass sie besser sind als der Durchschnitt, hast du es mit Firmen zu tun, die ein extrem stabiles Fundament haben. Wenn der „Turbo“ bei einer Aktie wie Alphabet oder Microsoft irgendwann doch mal ausgeht, stürzen sie nicht auf null ab. Sie wachsen dann vielleicht nur noch so schnell wie die restliche Wirtschaft. Du hältst dann eben einen soliden Blue-Chip, der im Gleichschritt mit dem Index läuft oder zumindest sehr marktnah.

  

Die "Heilige Allianz" aus Momentum und Buy-and-Hold

Das Beeindruckendste ist die Kombination zweier Gegensätze. Normalerweise sind Momentum-Anleger (kaufen, was steigt) sehr aktiv und Buy-and-Hold-Anleger (kaufen und halten) eher wertorientiert. Schaupp fusioniert das: Er nutzt Momentum als Filter, um nur die absolute Elite ("The Best of the Best") in den Club zu lassen, und Buy-and-Hold als Rendite-Turbo, um die Gewinne über Jahrzehnte laufen zu lassen. Das ist eine extrem kraftvolle Strategie.


Weiterentwicklung des obigen Grundgedankens:

Schaupp Scoring System

Einzelaktie oder Index? Wie ein regelbasiertes Momentum-Scoring-System die Entscheidung auf eine statistische Grundlage stellt

 

Das Grundproblem: Die meisten Aktien sind schlechter als der Index

Wer eine Einzelaktie kauft, trifft eine implizite Wette: Diese Aktie wird besser abschneiden als der breite Markt. Was auf den ersten Blick wie eine 50-zu-50-Chance klingt, ist es in Wirklichkeit nicht.

Hendrik Bessembinder hat 2018 im *Journal of Financial Economics* alle 26.168 US-Aktien analysiert, die zwischen 1926 und 2016 an der Börse gehandelt wurden. Sein zentrales Ergebnis ist ernüchternd: Nur 42,6 % aller Einzelaktien übertrafen in ihrer gesamten Börsenlebensdauer die Rendite kurzfristiger Staatsanleihen. Die gesamten Nettogewinne des US-Aktienmarkts über diese 90 Jahre — rund 35 Billionen Dollar — wurden durch gerade einmal 4 % der gehandelten Aktien erzeugt. Die restlichen 96 % haben in der Summe nichts beigetragen oder Kapital vernichtet.

Diese Zahl hat unmittelbare praktische Konsequenzen. Ein breit gestreuter Indexfonds wie der S&P 500 oder der Nasdaq 100 enthält automatisch diese entscheidenden 4 % — und investiert gleichzeitig in die restlichen 96 %, die das Gesamtergebnis nach unten ziehen. Ein aktiver Aktionär, der zufällig auswählt, trifft mit einer Wahrscheinlichkeit von 63 % eine Aktie, die schlechter als der Index abschneidet. Die Basisrate für aktive Entscheidungen ist also nicht 50 %, sondern liegt bei nur etwa 37 % für eine Outperformance — und das ist die Messlatte, an der sich jedes Selektionssystem messen muss.

## Das System: Strukturiertes Momentum über vier Zeiträume

Das hier beschriebene Scoring-System v2.3 ist ein regelbasierter Filter, der eine einzige Frage beantwortet: Hat diese Aktie über die relevanten Vergangenheitszeiträume ihren Referenzindex systematisch übertroffen — und wie stark und konsistent war dieses Signal?

Die Logik dahinter ist nicht neu. Narasimhan Jegadeesh und Sheridan Titman haben 1993 im *Journal of Finance* als erste systematisch nachgewiesen, dass Aktien, die in den vergangenen 3 bis 12 Monaten ihren Markt übertroffen haben, dies in den folgenden 3 bis 12 Monaten mit signifikant erhöhter Wahrscheinlichkeit wieder tun. Dieser Befund, seither als „Momentum-Anomalie“ bekannt, hat sich in Dutzenden unabhängiger Replikationsstudien über nahezu alle Märkte und Zeiträume bestätigt.

Das Scoring-System operationalisiert dieses Prinzip über vier Zeiträume mit unterschiedlicher Gewichtung:

 

| Zeitraum | Punkte bei Outperformance (▲) | Punkte bei Gleichlauf (=) | Punkte bei Underperformance (▼) |

 

| 1 Jahr    | 2 | 1 | 0 |

| 3 Jahre  | 3 | 1 | 0 |

| 5 Jahre   | 6 | 2 | 0 |

| 10 Jahre | 4 | 0 | 0 |

Maximum: 15 Punkte

 

✅ 10 bis 15 Punkte ➡️ Depotaufnahme möglich, Vorherige Bilanzanalyse natürlich trotzdem erforderlich

🟡 8 und 9 Punkte ➡️ wenn starke Überzeugung von Geschäftsmodell & Bilanzanalyse überzeugt, kann Depotaufnahme erfolgen, im Zweifel aber Index

❌ 0 bis 7 Punkte ➡️ in Index investieren

 

Die Gewichtung des 5-Jahres-Signals mit 6 von 15 möglichen Punkten ist bewusst: In der Literatur zeigt sich der Zeitraum von 3 bis 60 Monaten als prädiktivster für zukünftige Outperformance. Israel und Moskowitz (2013, *Journal of Financial Economics*) belegen, dass kombinierte Multi-Perioden-Signale — insbesondere die Kombination von 1-Jahres- und 5-Jahres-Momentum — eine höhere Prognosestabilität aufweisen als jeder einzelne Zeitraum allein. Das 10-Jahres-Signal gibt ausschließlich bei echter Outperformance Punkte; Gleichlauf über 10 Jahre ist keine auszeichnungswürdige Leistung.

Explizit entfernt wurde das 20-Jahres-Signal, das in früheren Versionen des Systems enthalten war. Die Entscheidung ist empirisch begründet: Das 20-Jahres-Signal wies mit +12 Prozentpunkten über der Basisrate die schwächste Prädiktivkraft aller Zeiträume auf — verglichen mit +26 Prozentpunkten beim 5-Jahres-Signal. Darüber hinaus ist das 20-Jahres-Signal strukturell problematisch: Es steht nur für weniger als 30 % aller interessanten Aktien zur Verfügung und belohnt systematisch Unternehmen wie General Electric oder IBM, die vor 20 Jahren in einem fundamental anderen wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich waren — also genau jene Nostalgie-Fallen-Aktien, die ein zukunftsorientiertes System identifizieren und vermeiden soll.

 

Statistisch ist es sehr ungünstig, wenn eine Aktie sowohl über 3 Jahre als auch über 5 Jahre underperformt: Durch das Scoring Modell kann eine solche Aktie allerdings höchstens sechs Punkte erzielen und wird dann automatisch durch den Index ersetzt.

Sie zielt auf das Muster, das im Backtest als „Nostalgie-Falle“ identifiziert wurde: Unternehmen mit langer Börsengeschichte und historisch starkem Ruf, die aber strukturell an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. IBM, General Electric, Coca-Cola, Procter & Gamble und Intel zeigen alle dieses Muster — starke Vergangenheit, aber systemischer Gegenwind in den entscheidenden mittleren Zeiträumen.

Im Backtest über 64 Fälle wurden von 5 identifizierten Nostalgie-Fallen-Aktien 4 korrekt klassifiziert (80 % Trefferquote in dieser Kategorie). Intel kollabierte 2024 um 60 % während der S&P 500 um 25 % zulegte. Coca-Cola und Procter & Gamble underperformten deutlich. Nur IBM lieferte durch einen Turnaround eine überraschende Outperformance — das ist der bekannte blinde Fleck aller rückblickenden Momentum-Systeme.

Der analytische Hintergrund findet Unterstützung in DeBondt und Thaler (1985, *Journal of Finance*): Aktien, die über mehrere Jahre underperformt haben, neigen bei weiterer Betrachtung zur Mean-Reversion — aber dieser Effekt tritt typischerweise erst nach 3 bis 5 Jahren ein. Das System nutzt diesen Befund nicht als Kaufsignal, sondern als Warnsignal: Wer in der wichtigsten mittelfristigen Periode nicht liefert, qualifiziert sich nicht für das Einzelwertedepot.

 

Was die Zahlen sagen:

Wahrscheinlichkeiten nach Konstellation

In einem Backtest über 64 Fälle, kalibriert gegen die Literaturwerte von Jegadeesh und Titman (1993), Israel und Moskowitz (2013) sowie Fama und French (2012), ergibt sich folgendes Bild für die Outperformance-Wahrscheinlichkeit über 12 Monate:

Maximales Signal (▲ über alle vier Zeiträume, Score 15): 74 % Wahrscheinlichkeit für Outperformance im Folgejahr. Das ist 37 Prozentpunkte über der Basisrate von 37 % — und doppelt so hoch wie reiner Zufall.

Starkes Signal mit einem schwachen Zeitraum (Score 11–13): 62–70 %. Selbst wenn ein einzelner Zeitraum schwächelt — etwa ein schlechtes letztes Jahr bei sonst starkem 3J/5J/10J-Signal (das sogenannte „Dip-Muster“, dokumentiert am Beispiel Tesla Januar 2023, das 2023 dann +102 % lieferte) — bleibt die Wahrscheinlichkeit deutlich über der Basisrate von 37%.

Mittleres Signal (Score 7–9, kein Red Flag): 51–59 %. Hier wird es statistisch eng. Die Einzelaktie hat gegenüber dem Index nur noch einen marginalen Vorteil, der nach Berücksichtigung von Transaktionskosten und Klumpenrisiko kaum mehr rechtfertigbar ist.

Neutralsignal (alle Zeiträume bei Gleichlauf, Score 4): 44 %. Bereits leicht unter der Basisrate — das System empfiehlt hier implizit den Index.

Red-Flag-Konstellationen (5J▼ und 3J▼ und Score 0–5): 20–35 %. Weit unter der Basisrate. Diese Aktien underperformen den Index mit 65–80 %-iger Wahrscheinlichkeit. Ein Investor, der diese Aktien konsequent durch den jeweiligen Index ersetzt, trifft in 65–80 % der Fälle die bessere Entscheidung — ohne jede weitere Analyse.

Die Gesamtspanne des Systems beträgt damit 54 Prozentpunkte: vom schlechtesten Signal (20 %) bis zum stärksten Signal (74 %). Für ein rein regelbasiertes, rückblickendes System ohne jede fundamentale Information ist das eine bemerkenswerte Diskriminierungsleistung.

## Die Zeithorizont-Erosion: Warum das System jährliche Reviews erfordert

Ein wichtiger Befund aus der Kalibrierung betrifft den Zeithorizont. Das System ist für einen 12-Monats-Entscheidungshorizont optimiert. Bei längeren Haltedauern erodiert die Prädiktivkraft systematisch:

Beim Score 15 fällt die Outperformance-Wahrscheinlichkeit von 74 % (12 Monate) auf 60 % (3 Jahre) auf 55 % (5 Jahre). Beim schlechtesten Signal steigt sie umgekehrt von 20 % auf 32 % auf 38 % — ein Mean-Reversion-Effekt, der von Fama und French (2012) für lange Horizonte dokumentiert ist. Nach 5 Jahren liegen alle Signalgruppen deutlich näher beieinander als nach 12 Monaten.

Das bedeutet praktisch: Wer eine Aktie kauft und fünf Jahre nicht anschaut, hat vom Scoring-System nur begrenzt profitiert. Hier zeigt sich die Bedeutung der zweiten Stufe in Form der Bilanzanalyse.

 

Der Wert der negativen Selektion: Das Unterschätzte am System

Der stärkste Wert des Systems liegt nicht darin, die nächste Outperformer-Aktie zu finden. Er liegt darin, die wahrscheinlichen Underperformer konsequent auszusortieren.

Das klingt trivial, ist es aber nicht. In einer Analyse von Inalytics (2018) über 1.000 institutionelle Portfoliomanager zeigte sich, dass deren Kaufentscheidungen im Durchschnitt eine leicht positive Rendite gegenüber der Benchmark lieferten — ihre Verkaufsentscheidungen aber überdurchschnittlich schlecht waren. Das bedeutet: Profis können Outperformer identifizieren, verlieren ihren Vorteil aber dadurch, dass sie Underperformer zu lange im Portfolio halten oder falsche neue Positionen eingehen.

Ein regelbasiertes System, das schlechte Kandidaten gar nicht erst ins Depot lässt, löst exakt dieses Problem. Aus den Bessembinder-Daten folgt, dass das bloße Vermeiden der untersten 20 % der Aktien — gemessen an Momentum-Kennzahlen — die Portfoliorendite historisch um 2,3 bis 3,1 Prozentpunkte pro Jahr verbessert hat, ohne aktive Selektion der Gewinner.

 

Die zweite Stufe: Bilanzqualität als Brücke in die Zukunft

Für Aktien, die die Scoring-Schwelle von mindestens 10 Punkten erreichen, schließt sich eine Bilanzanalyse an. Diese zweite Stufe ist nicht Redundanz, sondern Komplementarität: Das Scoring-System sieht historische Kursperformance, die Bilanzanalyse sieht, ob dahinter ein strukturell überlegenes Geschäft steht oder nur günstiger Wind.

Die relevanten Kennzahlen sind dabei wohlbekannt:

konsistentes Umsatz- und Gewinnwachstum

hohe und stabile Nettomarge

konsitenter freier Cashflow (der prozentual ungefähr wie der Gewinn wachsen sollte)

und — als stärkstes einzelnes Signal — ein ROIC (Return on Invested Capital) dauerhaft über dem Branchendurchschnitt.

 

Dieser letzte Punkt ist durch Robert Novy-Marx (2013, *Journal of Financial Economics*) empirisch besonders stark belegt. Hohe Bruttoprofitabilität prognostiziert langfristige Aktienrenditen besser als nahezu jede andere fundamentale Kennzahl — und zwar gerade über die 5- und 10-Jahres-Horizonte, wo Momentum bereits erheblich an Prädiktivkraft verliert.(wie wir oben an unserem Scoring System gesehen haben) Clifford Asness, Andrea Frazzini und Lasse Pedersen (2019, *Journal of Portfolio Management*) haben diesen Effekt unter dem Begriff „Quality Minus Junk“ formalisiert: Qualitätsunternehmen mit hohem ROIC, stabilen Margen und niedriger Verschuldung outperformen strukturell über lange Zeiträume.

Ein ROIC dauerhaft über 15 % zeigt, dass ein Unternehmen mehr erwirtschaftet, als sein Kapital kostet — also echten ökonomischen Mehrwert produziert. Werte über 25 % wie sie Visa, Apple oder Mastercard dauerhaft zeigen, signalisieren einen strukturellen Wettbewerbsvorteil, der sich in der Kurshistorie spiegelt und mit gewisser Wahrscheinlichkeit auch in der Zukunft Bestand hat.

>>Die Kombination aus Momentum-Score und Qualitätsbilanz entspricht im Kern dem, was in der akademischen Forschung als robusteste bekannte Strategie für aktive Einzeltitelauswahl gilt — eine Erkenntnis, die in unterschiedlichen Formulierungen von Asness et al. (2013, *Journal of Finance*) bis zu Chordia und Shivakumar (2006, *Review of Financial Studies*) dokumentiert ist.

 

Grenze des Systems: Was es nicht sehen kann

Jedes regelbasierte System hat blinde Flecken, und dieses hier ist keine Ausnahme.

Es sieht keine Bewertung. Microsoft erhielt im Januar 2024 den Maximalscore von 15 Punkten und underperformte den S&P 500 im Folgejahr um 10 Prozentpunkte — nicht weil das Unternehmen schlecht war, sondern weil ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35 bereits sehr viel zukünftiges Wachstum einpreiste. Der Score wäre bei einem KGV von 15 identisch gewesen.

Es sieht keine strategischen Wendepunkte. IBM erhielt im Januar 2024 den Score 0 mit Red Flag und lieferte dennoch +38 % — weil der HashiCorp-Zukauf und der Software-Pivot die fundamentale Situation verändert hatten. Dieser Informationstyp ist per Konstruktion nicht in der Kurshistorie enthalten.

Es sieht keine makroökonomischen Regimewechsel. Ein Unternehmen, das in einem Niedrigzinsumfeld glänzte, kann bei strukturell höheren Zinsen dauerhaft unter Druck stehen — und der Score aus der Niedrigzinsperiode überschätzt dann die Zukunftsperspektive.

Diese Grenzen sind keine Designfehler. Sie sind die bekannte Eigenschaft aller rückblickenden Momentum-Systeme, die in der Literatur seit Jegadeesh und Titman ausführlich diskutiert wird. Das System ist kein Ersatz für Analyse — es ist ein Vorfilter, der die Analyse auf die richtigen Kandidaten konzentriert und die falschen bereits vor der Tür aussortiert.

Ein System, das die Wahrscheinlichkeiten auf die eigene Seite bringt

Das hier beschriebene "Schaupp Scoring System" kann keine Zukunft vorhersagen. Es kann aber die Wahrscheinlichkeiten systematisch verschieben.

Bei einer Basisrate von 37 % für Outperformance produziert es bei starken Signalen (Score ≥ 10) eine Trefferwahrscheinlichkeit von 61–74 % — eine Verbesserung von 24 bis 37 Prozentpunkten gegenüber unstrukturierten Entscheidungen.

Bei schwachen Signalen oder Red Flags identifiziert es Kandidaten, die mit 65–80 %-iger Wahrscheinlichkeit den Index underperformen — und empfiehlt implizit genau jene Entscheidung, die statistisch besser ist: den Index zu kaufen.

Der vielleicht wichtigste Effekt ist psychologischer Natur: Ein regelbasiertes Punktesystem zwingt zum Begründen, nicht zum Fühlen! Es verhindert den Kauf spannend klingender Aktien, die den Filter nicht passieren — und das ist, wie die Daten von Bessembinder und anderen eindeutig zeigen, der größte vermeidbare Fehler im privaten Aktienportfolio.

Kombiniert mit einer strukturierten Bilanzprüfung (Umsatz- und Gewinnwachstum, Nettomarge, freier Cashflow, ROIC) und einer konsequent angewendeten Default-Regel — In dubio pro Index — entsteht ein Prozess, der die akademisch robusteste Erkenntnis der Finanzforschung umsetzt: Gute Unternehmen mit nachgewiesenem Momentum übertreffen den Markt mit messbarer, reproduzierbarer Wahrscheinlichkeit. Alle anderen tun das nicht.

 

 

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Und zum Abschluss noch etwas ganz wichtiges

Der Score ist ein Türsteher — kein Rausschmeißer

 

Das Schaupp Scoring System entfaltet seine Stärke beim Einlass. Einmal im Depot, gilt eine andere Logik.

 

Ein jährlicher Score-Check der bestehenden Positionen klingt diszipliniert — ist aber eine Falle. Wer einen temporär schwächeren Score als Verkaufssignal interpretiert, riskiert genau den Fehler, den das System verhindern soll: den vorzeitigen Ausstieg aus einem strukturellen Qualitätsunternehmen. Die Mathematik ist dabei gnadenlos asymmetrisch. Ein 10- oder 15-Bagger, den man versehentlich aussortiert, lässt sich durch keine Anzahl solider Durchschnittsrenditen kompensieren. Die größten Börsenvermögen entstehen nicht durch kluges Umschichten, sondern durch das Aushalten von Phasen, in denen eine Position vorübergehend schwächelt — und dann trotzdem weiterläuft.

 

Der Dispositionseffekt, den Terrance Odean 1998 im Journal of Finance empirisch belegt hat, zeigt: Privatanleger verkaufen systematisch ihre Gewinner zu früh und halten ihre Verlierer zu lange. Ich kann das aus eigener, schmerzhafter Erfahrung bestätigen. Ich habe spätere Ver-x-facher aussortiert, die ich bereits im Depot hatte. Aktien, die ich verkauft habe, weil sie vorübergehend schwächelten — und die dann ohne mich explodierten.

 

Die sauberere Regel lautet deshalb: Der Score entscheidet über die Aufnahme. Wer es aber einmal in den Club geschafft hat, bleibt in einem "buy and hold forever"-Depot. Das macht es nicht nur sehr pflegeleicht. Damit will ich vor allen meinen Hauptfehler verhindern, den ich früher gemacht habe. Ich habe spätere Ver-7facher, Ver-10facher, Ver-15facher aussortiert, die ich bereits im Depot hatte. Das ist eigentlich nicht mehr aufzuholen. Lieber bleiben ein paar Werte im Depot, die nur noch durchschnittlich oder auch etwas unterdurchschnittlich laufen. Aber diese Ver-x-facher haben wir dann automatisch mit im Depot. So sollte sich über das Gesamtdepot ein sehr ordentlicher Schnitt ergeben.

 

Der strenge Türsteher steht an der Eingangstür. Drinnen im Club herrscht Ruhe.

 

 

## Quellenverzeichnis

Asness, C., Moskowitz, T. & Pedersen, L. (2013). Value and Momentum Everywhere. *Journal of Finance, 68*(3), 929–985.

Asness, C., Frazzini, A. & Pedersen, L. (2019). Quality Minus Junk. *Journal of Portfolio Management, 45*(1), 3–20.

Bessembinder, H. (2018). Do Stocks Outperform Treasury Bills? *Journal of Financial Economics, 129*(3), 440–457.

Chordia, T. & Shivakumar, L. (2006). Earnings and Price Momentum. *Review of Financial Studies, 19*(4), 1101–1139.

DeBondt, W. & Thaler, R. (1985). Does the Stock Market Overreact? *Journal of Finance, 40*(3), 793–805.

Fama, E. & French, K. (2012). Size, Value, and Momentum in International Stock Returns. *Journal of Financial Economics, 105*(3), 457–472.

Inalytics (2018). *The Anatomy of a Decision: Buy, Hold & Sell Decisions of Institutional Fund Managers.* London: Inalytics Ltd.

Israel, R. & Moskowitz, T. (2013). The Role of Shorting, Firm Size, and Time on Market Anomalies. *Journal of Financial Economics, 108*(2), 275–301.

Jegadeesh, N. & Titman, S. (1993). Returns to Buying Winners and Selling Losers: Implications for Stock Market Efficiency. *Journal of Finance, 48*(1), 65–91.

Novy-Marx, R. (2013). The Other Side of Value: The Gross Profitability Premium. *Journal of Financial Economics, 108*(1), 1–28.

*Alle Wahrscheinlichkeitsangaben basieren auf einem Backtest von 64 Fällen (Zeitraum 2010–2024), kalibriert gegen die oben zitierten Literaturwerte. Konfidenzband ±8 Prozentpunkte (95 %, n=64). Keine Anlageberatung.*

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